R o t t e r d a m - Das Ziel ist erreicht, ich bin stolz, aber es ist eine stille Freude (Jürgen Lippert)

Das Ziel ist Rotterdam

Der Weg ist das Ziel....

In seinem Buch "Das Ziel ist Rotterdam" berichtet Jürgen Lippert über seine Krankheit mit 2 Schlaganfällen, die er 2009 erlitt und wie es ihm mit eisernem Willen und immer positiver Einstellung gelang, die Folgen der Schlaganfälle zu überwinden und wieder ein lebenswertes Leben zu erlangen. Das Buch endet mit dem Erreichen des Ziels Rotterdam im September 2013. Wie der Weg von Jürgen Lippert weitergegangen ist und was sich seit Beendigung des Buchs ereignet hat, darüber berichtet er auf dieser Seite und wird die Chronologie kontiniuierlich weiterführen.

 

Ich lasse nun Jürgen Lippert zu Wort kommen:

 "Eckpunkte auf meinem Weg zurück nach zwei Schlaganfällen"

Rückblende

Anfang Oktober (2009) zwei Schlaganfälle erlitten, aufgrund der entzündeten und somit verdickten Gefäßwände der Arteria Vertebralis links und rechts (Nackenbereich). Danach Intensivstation, Stroke Unit, Reha..Die Prognosen der Ärzte sind vage, sicher ist, dass die hochgradigen Veregungen bleiben werden.
Wunschtraum auf der Stroke Unit: eine Radtour nach Rotterdam. Dieses Ziel treibt mich fortan in meinen Aktivitäten an. Nach vielen Auf und Ab traue ich mir diese Radtour fast vier Jahre nach den beiden Sa zu.

Mitte September 2013

Meine Frau Gitta und ich haben Rotterdam erreicht, über 400 km in acht Tagen. Ich bin stolz auf das Erreichte, es ist mir aber eine stille Freude.

Oktober 2013

Ich entschließe mich, ein Buch zu schreiben. Will damit andere Betroffene anhand meinem Beispiel ermuntern, positiv zu denken und niemals aufzugeben. Ich verwerte zahlreiche Notizen aus den vergangenen vier Jahre zu einem Manuskript mit dem Titel "Das Ziel ist Rotterdam". Tagespensum: eine Seite.

Frühjahr 2014

Meine Frau und ich nutzen das Frühjahr für Trainingsfahrten in die nähere und weitere Umgebung. Ziel für dieses Jahr ist eine Radtour entlang der Elbe.

Juni 2014

Nächster Nachsorgetermin an der Frankfurter Universitätsklinik: Die Verbesserung der hochgradigen Verengungen der Gefäßwände an der Arteria Vertebralis links und rechts aus der letzten Untersuchung im Juni 2013 wird per Ultraschall bestätigt.

Juli 2014

Wir starten eine achttägige Radtour rund um Dresden, im Stile einer Sternfahrt: Meißen, Kamenz, Pirna, Moritzburg, das Elbsandsteingebirge etwa sind die Ziele. Die Touren sind zwischen 45 und 60 Tageskilometer lang. Ich bin auf dem Niveau meiner Rotterdam-Fahrt. Aber ich weiß, dass dies auch fortan meine Leistungsgrenze ist.

September 2014

Mein Manuskript ist fertig, ein Verlag gefunden, eine Lektorin gibt dem Ganzen den letzten Schliff. Das Buch wird im November bei der Edition Winterwork erscheinen. Das Schreiben und Formulieren war ein gutes Hirnleistungstraining. Vor allem meine Konzentration hat sich spürbar verbessert.

Frühjahr 2015

Wir beginnen wieder mit dem Training auf dem Drahtesel. Ich brauche diese Vorbereitung im Gegensatz zu früher, um mehrere Tage hintereinander fahren zu können. Wir haben mehrere Touren für den Spätsommer ins Auge gefasst. Festgelegt haben wir uns aber noch nicht.

Juli 2015

Nächster Nachsorgetermin an der Frankfurter Universitätsklinik: Ungläubiges Staunen des behandelnden Neurologen beim Ultraschall. Die Verengungen der Arteria Vertebralis links und rechts haben sich völlig zurückgebildet, Die anfänglichen Prognosen der Ärzte sind komplett widerlegt.

Mitte September 2015

Bandscheibenvorfall für meine Frau Gitta: Krankenhaus-Aufenthalt, danach mehrwöchige Reha. Unsere für den Spätsommer geplante, mehrtägige Radtour müssen wir abschreiben. Priorität hat nun für mich die Hausarbeit, was mich ziemlich überfordert. Für meinen eingespielten Genesungsplan bleibt keine Zeit mehr.

Anfang November 2015

Meine Frau ist zurück. Ich unterstütze sie bei der Hausarbeit, kann so meine gewohnten Aktivitäten wieder aufnehmen: 10 Minuten Hometrainer mit erhöhtem Widerstand, 3 x 30 Sit-ups, Liegestütze, 3 x 10 x Expanderstrecken mit je 20 kg. Es ist augenscheinlich: Mein Leistungsverlust der letzten Wochen ist enorm. Stillstand = Rückschritt.

Mitte Dezember 2015

Sechs Jahre nach meinen beiden Sa habe ich mich wieder in meinem alten Fitness-Studio  angemeldet. Ich will meine Körperspannung und damit mein Allgemeinbefinden weiter verbessern. Mit dem Plan eines Physiotherapeuten absolviere ich fortan an zwei Wochentagen 3 x 10 Sätze an zehn Geräten, freilich zunächst auf niedrigem Niveau. An den anderen Tagen bleibt es bei meinen üblichen Trainingsaktivitäten.

Mitte Februar 2016

Das Fitness-Training macht mittlerweile Spaß. Mein Körper reagierte anfangs nur sehr langsam auf die neuen Reize. Nun, nach acht Wochen, spüre ich erste Verbesserungen: Die Körperspannung nimmt zu, die Übungen fallen mir zusehends leichter. Überhaupt fühle ich mich wieder ganz gut in Form.

Meine Frau Gitta und ich freuen uns schon auf das Frühjahr. Wenn ihr Rücken hält, wollen wir unsere Radtour nachholen.

Ein happyend, aber kein zufälliges. Jürgen Lippert hat gezeigt, wie sehr man seinem Glauben an ein Vorankommen und gesundheitlicher Besserung vertrauen darf, mehr als allen (negativen) Prognosen vermeintlicher Fachleute. Er hat aber auch gezeigt, daß vieles möglich ist, wenn man seine Ziele und Wünsche unbeirrt verfolgt und nie aufgibt.

Hier könnte die Geschichte zu Ende sein. Muß sie aber nicht: Jürgen Lippert wird wieder berichten, wenn es Neuigkeiten gibt. Vielleicht kehrt ja die Kondition wieder ganz zurück, vielleicht gibt es Erfahrungen, die ihm Leser seines Buches vermitteln....... wir bleiben am Ball.

Buch von Jürgen Lippert, erschienen bei edition winterwork ISBN 978-3-86468-823-2

Dezember 2016

Nach den Jahren der täglichen Aktivitäten zur Verbesserung meiner Schlaganfall-Folgen habe ich, auch bedingt durch gewisse Lebensumsstände, die letzten Monate ein wenig Bequemlichkeit einreißen lassen und nur noch unregelmäßig trainiert. Die Folge: Unsere geplante Radtour entlang der Mosel konnte ich deshalb alleine schon aus konditionellen Gründen nicht angehen.

Es wurde mir jedoch auch klar, dass ich mich nicht nur konditionell, sondern auch kräftemäßig enorm verschlechtert hatte. Stillstand bedeutete tatsächlich Rückschritt.

Nun habe ich mich wieder berappelt. Ich besuche wieder regelmäßig das Fitness-Studio und radle mit Freude täglich auf dem Hometrainer. Ich spüre: Es geht wieder bergauf. Unserer Radtour im Frühjahr sollte dieses Mal nichts im Wege stehen.

Meine Erkenntnis: Es geht nichts über regelmäßiges Training, auch an schlechten Tagen. An diesen Tagen ist weniger mehr als überhaupt nichts. Mit dieser Einstellung wird man mit Sicherheit belohnt.