20. Nov, 2011

10 Tage Stroke Unite Domodossola

Am nächsten Tag wurde ich dann in ein normales Krankenzimmer verlegt. Hier fühlte ich mich schon viel wohler. Ich wartete sehnsüchtig auf die Ankunft von Brigitte und wir beide waren dann voller Freude und Dank, uns wiederzusehen. Brigitte blieb eine ganze Woche, das gab mir viel Kraft und Zuversicht. Ich realisierte wohl zu diesem Zeitpunkt noch nicht, welche Einschränkungen der Schlaganfall für mich haben würde, sondern glaubte dass Heilung eintreten würde wie bei allen Krankheiten bisher. Ich war froh, daß ich alle Gliedmassen bewegen konnte und mich auch geistig normal fühlte. Brigitte aber registrierte für sich die Veränderungen und Einschränkungen realistischer und war sich bewußt, daß ihr Reinhold nicht mehr der gleiche war wie zuvor und dass der Schlaganfall unser Leben radikal ändern würde. Das italienische Krankenhaus hatte einen ganz besonderen "Charme" Die Patienen untereinander, die Pfleger, die Ärzte standen in ständigem Kontakt. Bei der Visite wurde für mich viel Zeit genommen, eine Deutsch sprechende Dame übersetzte. Die Zimmertüren standen stets offen und wenn die Zimmer gereinigt wurden, trafen sich die Patienten auf dem Flur, tranken Kaffee und palaverten. Ich legte alle Strecken im Rollstul zurück und manchmal fuhr mich Brigitte kreuz und quer durchs Krankenhaus wobei wir stets in der Krankenhauskirche landeten und uns in die Stille begaben. Einmal verließen wir das Krankenhausgelände und Brigitte schob mich durch die Straßen von Domodossola um schließlich in einem Einkaufsmarkt zu landen, wo wir uns mit italienischen Essvorräten für zu Hause versorgen. Der Ausflug war zwar nicht erlaubt, aber lustig. Brigitte mußte nach einer Woche wieder nach Hause fahren und ich wartete ungeduldig  darauf, daß auch meine Heimkehr bald stattfinden könnte. Es dauerte aber noch mehrere Tage, bis die Ärzte den Krankentransport ins Krankenhaus nach Wangen freigaben.